Während sich diese Frage bei uns eher nicht stellt – auch aufgrund von staatlicher Unterstützung für sozial schwache Familien – sehen sich balinesische Eltern durchaus mit diesem Problem konfrontiert.
Anbei daher eine aktuelle Aufstellung über die spezielle und allgemeine Kostensituation auf Bali.
Daten zu Schulen, Schulgeld und allgemeiner Situation. in Pemuteran/ Bali, Stand Beginn 2012
Schulsystem:
SD = Elementarschule, 6 Jahre. Kein Schulgeld zu bezahlen, aber Uniformen und Schulmaterialien.
Die Kosten für die Grundausstattung mit Uniformen betragen in etwa 50 Euro/Schuljahr.
Schulfrühstück: Die Kinder nehmen vormittags ein Essen ein, das in der Schulkantine angeboten wird. Entgegen den Gewohnheiten bei uns wird den Kindern kein *Frühstücksbrot* mitgegeben, sondern sie erwerben dies in der Schule (oder eben auch nicht, wenn das Geld nicht vorhanden ist). Kosten pro Mahlzeit (Reisgericht mit unterschiedlichen Zutaten wie Huhn, Ei, Fisch, Gemüse) und Trinkwasser ca. 30 Cent/Schultag, das sind im Monat (6 Schultage/Woche) ca. 7,20 Euro und bei 11 Schulmonaten/Jahr ca. 70 Euro.
Somit betragen die Kosten pro Schuljahr 120 Euro, wobei darin noch keine Extrakosten für Schulmaterialien oder zum Beispiel ein Paar weitere Schuhe o.ä. enthalten sind.
Weiterführende Schulen:
SMP = Junior High School, 3 Jahre. Vergleichbar mit unserer Realschule. Die Kosten sind in etwa dieselben wie bei der SD, aber die Kinder müssen mit dem oeffentlichen Bus (*Bemo*) in eine ca. 6km entfernte Ortschaft fahren. Daher kommen pro Schultag (momentan) nochmals 50 Cent hinzu. Zusätzliche Kosten pro Schuljahr dadurch ca. 132 Euro.
Gesamtkosten pro Jahr ohne Extrakosten 232 Euro.
SMA = Senior High School, 3 Jahre. Vergleichbar mit dem Gymnasium. Die Jugendlichen können wieder in Pemuteran zur Schule gehen, da diese sich im Ort befindet. Die Buskosten fallen daher weg, dafür entstehen aber höhere Kosten für Schulmaterialien, sodass man wie bei der SMP auch in etwa mit 230 Euro Gesamtkosten pro Schuljahr rechnen muss.
Arbeitssituation in Pemuteran:
Pemuteran gehört zum Bezirk Buleleng, einem der ärmsten auf Bali. Der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestlohn für Arbeiter und Angestellte in diesem Bezirk beträgt derzeit ca.75 Euro/Monat. Dies wird aber leider keineswegs von allen Arbeitgebern eingehalten. Da es viele Arbeitslose in Pemuteran gibt, lassen sich die Leute aber darauf ein, auch schlechter bezahlte Stellen anzunehmen.
Eine Durchschnittsfamilie mit Vater, Mutter und 2 Kindern benötigt im Monat 2 Säcke Reis a 25 kg, was in etwa momentan 30-35 Euro kostet. Darin sind noch keine Kosten für Gemüse, Tofu oder gar Huhn oder Fisch/Fleisch enthalten. Wohnen ist meist *frei*, indem die Großfamilien in Hütten oder kleine Häuschen zusammen wohnen.
Bei einem Alleinverdiener und zwei Kindern im Schulalter ist daher der Besuch weiterführender Schulen oft nicht bezahlbar. Die Mütter versuchen natürlich auch, irgendwo eine Arbeitsstelle zu bekommen, was sehr schwierig ist. Oder sie versuchen zumindest, zuhause ein paar Huehner und Schweine oder – Gipfel des Wohlstands! – Rinder zu halten und zu versorgen oder gegen Entgelt für wohlhabendere Nachbarn zu hüten. Schweine und Rinder sind die *Sparkasse* der kleinen Leute.
Erschwerende Problematik:
- Der Reispreis ist in den letzten Jahren im Verhältnis zum Mindestlohn überproportional gestiegen.
- Der Preis für den Verkauf vor allem von Rindfleisch sowie Gemüse ist gefallen (wegen Import aus Neuseeland!!!)
- Der Benzinpreis soll in diesem Jahr erheblich steigen, was beim Grundtransportmittel Motorrad sehr zu Buche schlagen wird
- Die Arbeitgeber stellen praktisch nur noch junge Leute ein, die mindestens die SMP (=Realschule) abgeschlossen haben, sodass Kindern aus armen Familien mit lediglich Grundschulabschluss praktisch jede Arbeitsmöglichkeit versagt bleibt.
Wie Ihr sehen könnt, ist es auf Bali nicht selbstverständlich, zur Schule gehen zu DÜRFEN; dies als kleiner Hinweis für Schüler in deutschsprachigen Ländern, die zum Beispiel aufs Gymnasium oder die Realschule gehen und meist gar nicht daran denken, dass das eigentlich ein Privileg ist (Ja, ich weiß sehr wohl, wie hart es ist, jeden Nachmittag büffeln zu müssen! Aber ich sag euch aus eigener Erfahrung, es lohnt sich.).
Viele Grüße
Ines