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Pemuteran News

Liebe Pemuteran-Freunde,

in den Tropen vergeht so ein Jahr noch viel schneller, da quasi ein Tag wie der andere ist: immer sonnig und heiß, mal mit mehr, mal mit weniger "Grün" rundum. Sonntage beziehungsweise Wochenenden gibt es für uns hier auch nicht – meist weiß ich nicht, welcher Wochentag gerade ist – und so stelle ich überrascht fest, dass es Zeit für den Jahresabschlussbericht ist. Den schreibe ich gern, da wir dank eurer Hilfe wieder enorm viel erreichen konnten:

Die erste Etappe beim Schulprojekt ist erklommen, die Grundschule No. 3 in Pemuteran ist baulich komplett saniert!
Das ist etwas, auf das alle, die daran mitgewirkt haben, sehr stolz sein dürfen! Da ich nicht alle Helfer einzeln aufzählen kann, möchte ich quasi stellvertretend noch einmal die Hilfe aus Luxembourg hervorheben, initiiert von Anfang an durch Christiane und Claude, in diesem Jahr speziell unterstützt von Gustave Flöner-Fonck. Außerdem die Hilfe der gesamten Grund- und Hauptschule in Ruhpolding/Oberbayern. Es gibt übrigens schon 3 Brieffreundschaften zwischen 10 - 11-jährigen Schulmädels aus beiden Schulen!



Selbstverständlich geht's weiter:
Pemuteran ist ein Straßendorf und zieht sich als solches über viele Kilometer hin. Daher gibt es nicht nur eine Grundschule, sondern deren vier. SD No. 3 war allerdings mit Abstand diejenige im katastrophalsten Zustand.

Nun ist unser Projekt natürlich keineswegs unentdeckt geblieben, ganz im Gegenteil, und so habe ich über verschiedene Ecken die Bitte bekommen, doch noch mal in No. 2 und No. 4 vorbeizuschauen.



Grundschule SD No. 3 Schulhof

No. 2 ist baulich in keinem allzu schlechten Zustand, wenn man mal von dem Haus auf dem Schulgelände absieht, in dem zwei der Lehrer wohnen (müssen). Allerdings ist der Sanitärtrakt wieder unbeschreiblich, und dem mich begleitenden gesammelten Lehrerkollegium war das auch sichtlich peinlich: 2 grauenhafte Toiletten für 240 Schüler und 9 Lehrer, kein einziges Waschbecken.
Ansonsten war noch die breite Spur auf dem Schulgelände nachzuvollziehen, auf der sich in der Regenzeit die Wassermassen hindurchwälzen, da es keine Begrenzung durch eine Mauer gibt.



Grundschule SD No. 2 Toilette

No. 4 am äußersten Dorfrand fällt dadurch auf, dass es gleich überhaupt keine so genannten Toiletten gibt: Jede(r) muss hier hinter den "Busch", wenn er /sie mal muss ..., was dann doch etwas zu naturnah ist. Ansonsten ist die Hälfte des Schulgebäudes (187 Schüler, 5 Lehrer) in einem Zustand, der zwar besser ist als der von No. 3 vor der Renovierung, aber immer noch schlimm genug.



In Pemuteran erkranken sehr viele Kinder mit massiven Darminfekten, was mich absolut nicht wundert. Daher denke ich, dass wir als nächstes den Bau der Sanitärtrakts dieser Grundschulen realisieren werden, wobei ich dann eine Basisaufklärung zum Thema "Hygiene" in den Schulen abhalten werde. Dazu gehört auch, dass verantwortliche Personen bestimmt werden müssen, die lernen, wie man richtig putzt.

Momentan erstellen beide Schulen Kostenvoranschläge, die dann – nicht nur von mir, sondern auch von unabhängigen Handwerksmeistern – überprüft werden. Nach Schaffung der grundlegenden baulichen Voraussetzungen sollte es dann natürlich mit Lehrmaterial und gutem Unterricht weitergehen.

Um auch schon einen Schritt in diese Richtung zu gehen, wurde nun – quasi als zusätzliches Projekt – die "Dharma Education Foundation" gegründet, indonesisch "Yayasan Dharma": Dies ist nun eine offizielle Stiftung mit allen notariellen Papieren und Satzungen, gegründet von zwei jungen Männern aus Pemuteran, denen von ausländischen Sponsoren eine Schulbildung ermöglicht wurde. Sie möchten auf diese Weise dem Dorf etwas "zurückgeben".

Ich finde es generell immer hervorragend, wenn die Ideen von den Einheimischen selbst kommen, und diese auch die Verantwortung übernehmen. Man kann dann sicher sein, dass es hier um wahre Bedürfnisse und Anliegen geht. In und mit diesem Projekt sollen gezielt die Kinder aus armen Familien unterstützt werden, die sich "Schule" eigentlich so gut wie nicht leisten können; angefangen von Schulmaterial bis hin zu weiterführendem Unterricht.



Da Gründer und Verwalter der Stiftung aus Pemuteran stammen, kennen sie die Familien gut und legen strenge Auswahlkriterien an, damit eben wirklich die armen Kinder gefördert werden. Santana, der Gründer – nein, er ist nicht Musiker, sondern perfekt holländisch sprechender Reiseführer – hat ein Stück seines Landes bereit gestellt sowie Geld, um erstmal einen Betonboden mit einer Palmblattüberdachung zu errichten sowie eine Toilette. Es findet nun jeden Nachmittag Unterricht statt, gestaffelt nach Altersgruppen von 7 bis 16 Jahren. Unterricht wird angeboten in Englisch, Mathematik, Allgemeinwissen, balinesischem Tanz und balinesischer Kultur, und die älteren Kinder erhalten sogar im Internetcafe (na ja, etwas hoch gegriffen für die kleine Stube mit 4 PCs) Computerkurse und von Kadek, dem Verwalter, Unterricht in Ökotourismus.



Englischunterricht

Düde und ich waren bei der Gründungssitzung dabei und fanden alle Anwesenden seriös. Der Unterricht wird von Lehrern erteilt, die dies in erster Linie aus idealistischen Gründen tun, wobei ein kleines Gehalt von umgerechnet zwischen 30 bis 40 Euro pro Monat gezahlt wird. Wir haben uns spontan entschlossen, die Bezahlung für zwei Lehrer für das erste Jahr zu übernehmen. Andreas aus Frankfurt, der unsere Projekte schon seit längerer Zeit begleitet, hat im Rahmen seines Tauchurlaubs auch die Education Foundation besucht und war ebenfalls so beeindruckt, dass er denselben Schritt getan hat.

Die Kinder haben auf uns einen sehr aufgeweckten, ja glücklichen Eindruck gemacht; Andreas und ich sind darüber ins Philosophieren geraten und mit unserem Gespräch noch lange nicht zu Ende ...

Wie es eben in einer Stiftung zu sein hat, ist alles genau geregelt mit exakter Buchführung, in die auch ich Einblick habe.
Die wichtigsten Seiten aus dem notariellen Stiftungsvertrag sowie der Verwaltungssatzung und die Beglaubigung des Bürgermeisters habe ich übersetzt (glaubt bloß nicht, dass das Juristenindonesisch sich vom deutschen juristischen Sprachgebrauch unterscheidet!). Übersetzungen der Stiftungsdokumente findet Ihr hier.

Leider ist es dennoch nicht möglich, die Spendenquittung in Deutschland von der Steuer abzusetzen. Dafür müsste eine DEUTSCHE gemeinnützige Organisation das Projekt unterstützen, wobei natürlich – neben der Arbeit - auch Verwaltungskosten anfallen würden; das wollen wir aber gerade vermeiden. Falls jemand hierfür eine Lösung sieht, wären wir sehr froh!

Und wer auch ohne Quittung gezielt eingreifen oder "unter die Arme greifen" will, herzlich gerne! Die Auszahlung der Spendengelder und der vom Spender gewünschte Einsatz werden von mir überwacht und dem Spender mitgeteilt. Das nur als kleiner Hinweis für vorweihnachtliche Spendenaktionen oder Einzelspenden :-).

Damit wären wir auch schon beim Stichwort Weihnachten: Mein Mann und ich wünschen allen, die sich in irgendeiner Form an unseren Projekten beteiligt haben und sich dafür interessieren, frohe Feiertage mit ganz viel Zeit für echte Muße ..., für ruhige Spaziergänge, schöne Gespräche, und all das, was "im Leben" so oft zu kurz kommt.

Es klingt vielleicht pathetisch, aber für mich ist es enorm wichtig zu wissen, dass es Menschen gibt, für die soziale Verantwortung keine politische Worthülse ist, sondern die einfach noch "ein Herz haben", und zwar auf dem rechten Fleck!

DANKE!!!
Ines



P.S. Als kleiner balinesicher (Unterwasser-)Gruß ein so genanntes "Christbäumchen", nur wenige Zentimeter groß und in vielen Farben vorhanden.






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