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Pemuteran News

Liebe Pemuteran-Freunde,

auch nach fünfeinhalb Jahren Leben auf Bali wundere ich mich immer noch, WIE schnell die Zeit hier vergeht. Aber das ist sicher kein Bali-spezifisches Phänomen, sondern wohl überall so, wenn man viel zu tun hat.



Auf jeden Fall hat es bei den Projekten Fortschritte gegeben, die geradezu in europäischem Zeitmaßstab verlaufen sind: Während hier im allgemeinen alles in "jam karet" - übersetzt "Gummizeit" - verläuft, überschlugen sich die Projektleiter bei der Umsetzung "unserer" Vorhaben.



Inzwischen daran gewöhnt, dass man Zeitangaben bis zur Fertigstellung einer Ware oder einer Dienstleistung von einheimischer Seite nicht so wörtlich nehmen darf – Donnerstag kann zum Beispiel den Wochentag in der nächsten Woche, genau so gut aber auch irgendwann im nächsten Monat bedeuten -, war ich angenehm überrascht , wie schnell das Gebäude für die Armenschule ("Education Foundation") hochgezogen wurde.



Das gesamte Gebäude ist aus ökologischem Material errichtet, und alle Eltern steckten ihre freie Zeit und Arbeitskraft in die Fertigstellung. Nun kann im Hauptraum bereits unterrichtet werden, wenn auch noch ohne Mobiliar. Es ist aber immer wieder eine Freude, den Kindern zuzusehen, mit welcher Begeisterung sie bei der Sache sind.



Der Leiter, Bapak Sentana, ist über seine Kontakte als Reiseführer auch immer bestrebt, Gast-Lehrer in die Schule zu holen. Vor zwei Monaten war eine kanadische Mathematiklehrerin hier, die momentan in Hongkong an einer höheren Schule unterrichtet. Neben normalem Unterricht – die Zahlensprache ist allgemein verständlich – hat sie viele praktische Übungen mit den Kindern in den lokalen kleinen Geschäften durchgeführt, um das Basisenglisch zu fördern. Und im August hatten wir einen bekannten Tanztheaterlehrer aus Paris zu Gast, der mit den Kindern eine tolle Tanzaufführung einstudiert hat.



Aus Ruhpolding kamen Sophia und Lisa extra nach Pemuteran, um von Schule und Education Foundation einen Eindruck zu gewinnen. Als angehende Lehrerinnen haben sie mit viel Spass – auf Seiten der Lehrerinnen und der Schüler! - gleich ganz spontan Englischunterricht erteilt.



Zu vermelden ist ebenfalls, dass die erste Patenschaft für eines der Kinder übernommen wurde: Petra und Karl-Heinz waren sofort dazu bereit, und nun erhält der 13-jährige Putu Unterstützung aus Frankreich.



Ich bin froh darüber, auch deshalb, weil die beiden Verständnis dafür hatten, dass es mit der Nachrichtenübermittlung noch nicht ganz so klappte, wie wir uns das vorstellten. Sentana und ich arbeiten aber daran, einen Weg zu finden, und Petra und Karl-Heinz haben nun via Internet einen Bericht über das Kind und dessen Umfeld erhalten nebst Fotos, und "ihr" Patenkind bemüht sich derzeit, ihnen in Englisch zu schreiben.

Wir hoffen auch, dass auf diese Weise der interkulturelle Austausch weiter angestoßen wird. Wenn ein persönlicher Bezug da ist, ist es immer ein großer Vorteil.



Dass der Austausch zwischen Kindern verschiedener Nationen gar kein Problem ist, konnte ich direkt beobachten: Mein 10-jähriger Enkel war bei uns zu Besuch und hat mit mir die Elementarschule Nr. 4 besucht, die – neben der Armenschule – derzeit im Fokus der Unterstützung steht. Diese Elementarschule liegt am äußersten Dorfrand, und auch hier leben ganz überwiegend arme Leute, die sich von einer kargen Landwirtschaft ernähren. Die Kinder bekommen nur selten "Ausländer" zu sehen und freuen sich immer sehr, wenn "Besuch" kommt.



Nachdem wir erst einmal mit Hilfe des Globus geklärt hatten, wo Bali und wo Deutschland und seine Nachbarländer liegen - "da ist ja die halbe Welt dazwischen!" - wollten alle Schulklassen unbedingt einzeln mit Nico abgelichtet werden.



Anschließend durfte er den Fußball übergeben, für den er gespart und den er von daheim mitgebracht hatte. Von da ab war alles klar: Er wurde umgehend in die Schul-Fußballmannschaft integriert und es gab nicht die geringsten Verständigungsprobleme.



Das Sanitärgebäude für diese Schule ist inzwischen – wie auch der Sanitärtrakt in Schule Nr. 2 – fertig gestellt; für etliche Kinder dieser Region die einzige Toilette, die sie regelmäßig benutzen können.



Jede Woche übernimmt eine andere Gruppe von Schulkindern den Reinigungsdienst, da es hier nicht so etwas wie einen Hausmeister oder eine Schulputzfrau gibt.



Schule Nr. 4 wird Schritt für Schritt neue Bänke und Stühle erhalten. Und auch eine kleine Bibliothek ist geplant, da die Kinder sonst keine Möglichkeit haben, außer Schulbüchern irgendetwas anderes zum Lesen zu erhalten. Der Schulleiter, Bapak Gede, ist in dieser Beziehung sehr ehrgeizig. Er ist übrigens derselbe Mann, mit dessen Mitarbeit Schule Nr. 3 komplett saniert wurde. Nun kann er seine Arbeit an anderer Stelle fortsetzen.



An alle Besucher aus Europa die Bitte, nach Möglichkeit Anschauungsmaterial aus "unseren" Ländern mitzubringen, damit wir den Kindern hier besser zeigen und erklären können, wie die Kinder bei uns leben (Schule, Zuhause, Umgebung, Landschaft, Sport etc.).

Von allen hier, die von Eurer wunderbaren Unterstützung so viel profitieren dürfen, allerherzlichster Dank! Ich wünschte, Ihr alle könntet hierher kommen, um euch vor Ort davon zu überzeugen, wie viel Freude Ihr damit auslöst!

Herr Serge Bloes, der Bürgermeister aus der Gemeinde Redingen-Attert in Luxembourg, deren Gemeindemitgliedern wir schon so viel zu verdanken haben, hat sich vor kurzem zusammen mit seiner Frau Nicole selbst ein Bild von allem gemacht. Leider konnte ich nicht mit dabei sein, aber die Völkerverständigung hat dennoch sehr gut funktioniert.

Großer, spezieller Dank an die Kommunionkinder aus Beckerich-Useldingen in Luxemburg, die mit Hilfe ihrer drei Katechetinnen und ihres Pfarrers, Herrn Dennis Walisch, gesammelt und die gesamte Summe von 1340 Euro hierher gespendet haben: Diese Spende wird dafür verwendet, die Lehrer der Armenschule zu finanzieren, was sonst nicht möglich gewesen wäre. Alle 46 Kinder sind sehr, sehr froh, dass sie weiter zur Schule gehen dürfen!!!

Es ist einfach unglaublich, was mit Eurer Hilfe in den letzten vier Jahren seit Entstehung der Projekte alles geschaffen werden konnte!
Auch für mich persönlich bedeutet Eure Hilfe unglaublich viel: Es gibt Menschen jeder Altersgruppe, denen diejenigen, denen es schlechter geht, eben nicht egal sind. Das macht Mut.

Herzliche Grüße aus dem "winterlichen" Nordwestbali (heiße Tage, kühle Nächte und viel Wind)!

Ines






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