Liebe Freunde und Sponsoren unserer Schulprojekte,
es ist noch nicht zu spät, um euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2011 zu wünschen! Die News haben auch diesmal wieder etwas auf sich warten lassen, aber mir war daran gelegen, dass einmal jemand zu Worte kommt, der nicht hier lebt und somit “von außen” berichten kann.
Wir haben uns unglaublich gefreut, als Christiane und Claude mit ihrer Tochter Tina uns nach etlichen Jahren wieder besuchten und mit mir das respektive die Schulprojekte anschauten. Schließlich waren bzw. sind sie sowohl bei der Gründung des Schulprojektes als von Luxemburg aus in Form vieler Aktionen zugunsten unserer Projekte ständig beteiligt und nehmen auch aus der Ferne immer großen Anteil.
Für mich war es auch ein Prüfstein, um durch ihre Augen zu sehen, ob alles so läuft, wie es sein sollte, wo weiter geholfen werden muss und worauf dabei die Schwerpunkte liegen sollten. Nachdem auch Tina inzwischen ihr Examen mit Bravour bestanden hat, wurde ich also von drei engagierten Pädagogen begleitet, die ihren Beruf sehr ernst nehmen und immer das Wohl der Kinder im Auge haben.
Großer Dank an Christiane, dass sie sich die Zeit hierfür genommen hat! Wir alle – ich meine damit uns Westler – leben unter einem permanenten und ständig ansteigenden Zeit- und Leistungsdruck, dem man nur schwer entkommen kann. Ich hoffe dennoch, dass das Innehalten zu Beginn eines neuen Jahres mit dem Abwägen, was wichtig und was weniger wichtig ist, vielleicht 2011 für den einen oder anderen von uns zu nachhaltigen, positiven Konsequenzen führen wird.
Hier nun Christianes Bericht:
“Im Jahre 2005 hatten wir während unseres Baliaufenthaltes zusammen mit Ines das Schulprojekt ins Leben gerufen. Letzten Sommer freuten wir uns riesig darauf, nach fünf Jahren endlich die renovierten Schulen besuchen zu können.
Zuerst haben wir die Schule N° 3 besichtigt, natürlich zusammen mit Ines. Der Direktor der Schule empfing uns in seinem neuen Büro und hiess uns mit einer Flasche balinesischer Cola willkommen. Genauso wie bei unserem ersten Besuch wurden wir draussen dann von den Schülern regelrecht belagert.

Mit Begeisterung nahmen sie die von uns mitgebrachten Fussbälle, Sprungseile und Frisbees entgegen.

Da die Schüler sich alle in der Pause befanden, konnten wir uns die renovierten Schulsäle ansehen. Folgendes haben wir festgestellt:
In allen Sälen wurde der Boden leicht erhöht, um weitere Überschwemmungen während der Regenzeit zu verhindern
- Alle Böden sind nun sauber gefliest
- Sämtliche Fenster und Türen sind erneuert worden
- Das Dach wurde komplett neu aufgebaut und es gibt keine undichten Stellen mehr
- Die gesamte elektrische Installation wurde neu verlegt
- Es befindet sich nun ein regelrechter Sanitärtrakt auf dem Schulgelände mit Toiletten und Lavabos
- Alle Schulmöbel sind erneuert: Tafeln, Pulte, Bänke, Tische…
- Alles macht einen guten, hellen und sauberen Eindruck und entspricht dem Bild, das wir von einem Schulgebäude haben.
Der Direktor hat uns dann aber noch auf ein neues Problem aufmerksam gemacht. Die Termiten fühlen sich ja bekanntlich in den Tropen recht wohl und machen da auch vor neu eingebauten Fenstern und Dächern nicht Halt. Eine nächste Herausforderung für Ines: der Kammerjäger muss herbei, um die ungeliebten, gefrässigen Eindringlinge zu vernichten!!!
Unser nächster Besuch galt der Education Foundation. Aus dem einfachen Bau, bestehend aus Betonboden und Holzdach, ist ein regelrechtes Gebäude geworden mit Wänden, Fenstern und Türen!
Wir trafen dort die jüngeren Schüler beim Englischstudium. Dabei konnten wir uns vom grossen Nutzen der Stühle mit integriertem Schreibpult überzeugen, welche von der Gemeinde Redingen gespendet worden waren. Die älteren Schüler erhielten gerade Informatikunterricht mit Hilfe der gespendeten Laptops. Die beiden Fächer Englisch und Informatik sind wichtig, um den Schülern die nötige Qualifikation zu geben, die es ihnen ermöglicht, einen Arbeitsplatz in einem der Hotels auf Bali zu finden.
Die grösste Überraschung hat uns aber in der Schule N° 4 erwartet: diese Schule liegt in einem ganz abgelegenen, armen Teil von Pemuteran.
Sie wird geleitet von einem ehemaligen Lehrer, den wir bereits vor fünf Jahren in der Schule N° 3 kennengelernt hatten. Pak Gede war uns damals schon aufgefallen, weil er einen sehr professionellen Eindruck machte, und eine gewisse Autorität ausstrahlte.

Pak Gede hat aus der Schule ein kleines Paradies erschaffen. Lehrer und Schüler haben gemeinsam den Schulhof in ein Blumenmeer verwandelt. Entlang der Wege wachsen Hunderte von Pflanzen, welche in den schönsten Farben blühen. Wir wurden mit einem Willkommenstanz – aufgeführt von kleinen Tänzerinnen der Schule – und mit Blumenkränzen begrüsst.

Anschliessend zeigte Pak Gede uns voller Stolz das renovierte Schulgebäude: auch hier sind alle Böden gefliest, alle Fenster und Türen neu, sowie auch die Schulmöbel. Sämtliche Klassensäle sind hell, freundlich, aufgeräumt und funktionell. Auch ein Sanitärgebäude ist vorhanden mit sauberen Toiletten und Lavabos.

Man spürt im ganzen Areal einen Hauch von Solidarität, Freude und Gemeinschaft. Pak Gede zeigte uns sogar eine Ecke des Schulhofes, wo der Abfall sortiert wird!!! Welch ein Fortschritt – ich erinnere mich noch gut an die Rauchschwaden, welche vor fünf Jahren morgens in der Luft hingen, weil die Einwohner sämtlichen Abfall während der Nacht verbrannten.
Nicht nur der Direktor ist an dieser Schule sehr engagiert, sondern auch seine KollegINNen. Meine Tochter, selbst frisch gebackene Lehrerin, fand recht schnell Kontakt zu einer jungen Kollegin. Die beiden installierten dann auch gemeinsam die von uns mitgebrachte DVD mit einem Programm zum Englischlernen auf dem Computer im Lehrerzimmer. Somit haben jetzt alle Lehrer die Möglichkeit, ihre Englischkenntnisse nach und nach zu erweitern.
Nach diesem herzlichen Empfang und der Führung durch das Schulgelände sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass das Schulprojekt hervorragende Ergebnisse erbracht hat. Ines hat eine immense Arbeit vor Ort geleistet und wir sind ihr sehr dankbar, dass sie sich um alles gekümmert hat und vor allem die Kasse fest in der Hand hatte.Wenn wir nun aber gedacht hatten, damit wäre unser Projekt am Ziel, hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht!!!
Da Pak Gede ein sehr engagierter Lehrer ist, dem die Schüler am Herzen liegen, konnte er nicht umhin, uns auf das Schicksal von ein paar Kindern aufmerksam zu machen. Diese Kinder leben in sehr, sehr armen Verhältnissen, manche haben nicht mal genug Geld, um etwas zu essen zu kaufen. Sie kommen hungrig zur Schule. Pak Gede hat uns auf unseren Wunsch hin zu zwei Schülern nach Hause begleitet.
Ein kleiner sechsjähriger Junge lebt allein mit seiner alten Oma. Sie hat uns in ihrem kleinen Heim empfangen und ich kann nicht beschreiben, wie uns zumute war. Sie lebt mit ihrem Enkel in einer kleinen Hütte von vielleicht vier Quadratmetern ohne fliessendes Wasser mit einer einzigen 25 Watt Glühbirne. Sie hat kein Einkommen, keinen Garten (ist ohne Wasser und auf Staubboden nicht machbar), und sie bekommt manchmal von den Nachbarn eine kleine Gelegenheitsarbeit oder etwas zu essen, unter diesen Umständen ist es normal, dass ihr Enkel hungrig zur Schule gehen muss.
Und dann ist da das zehnjährige Mädchen, welches wir in der Hütte ihres Onkels besuchen. Sie lebt dort zusammen mit der Familie ihres Onkels ohne ihre Eltern. Da der Onkel selbst nicht viel zum Leben hat, und seine Familie ernähren muss, besteht die Gefahr, dass er seiner Nichte irgendwann keine Unterstützung mehr gibt, und sie dann die Schule abbrechen muss. Dies sind nur zwei Fälle von vielen, die Pak Gede kennt, und auf die er uns aufmerksam machen wollte.
Also kann unser Projekt noch nicht zu Ende sein. Es gilt jetzt, die Kinder der Schule N°4 zu unterstützen. Wir haben sofort spontan beschlossen, bei beiden Kindern eine Patenschaft zu übernehmen, um ihnen wenigstens finanziell den Schulbesuch zu ermöglichen. Wir wollen dann noch gemeinsam mit Ines und Pak Gede nach Möglichkeiten suchen, um den ärmsten Kindern wenigstens eine Mahlzeit in der Schule zu spenden … es gibt noch zu tun, packen wir (sprich Ines) es an.“

Genau so ist es: Wie Ihr zum Beispiel auf dem Foto mit dem Titel “geplante Küche” sehen könnt, gibt es an der SD4 ein heruntergekommenes Gebäude, das wir gerne zu einer Art “Frühstücksküche” für die Kinder umgestalten würden.
Wie Christiane berichtete, macht der Besuch bei den Kindern zuhause selbst mich immer wieder schweigsam. So viel Armut! Nicht nur bei dem Kleinen, der bei seiner alten Grossmutter lebte. Das tut er inzwischen nicht mehr, da die alte Dame beim Versuch, Früchte vom Baum zu ernten, tödlich verunglückte. Wir konnten eine Familie finden, bei der er nun leben darf und integriert ist. Als Paten sorgen Christiane und Claude dafür, dass er materiell so ausgestattet ist, dass er die Schule weiter besuchen kann und dass die – ebenfalls arme und kinderreiche – Familie, bei der er lebt, das weitere Familienmitglied verpflegen kann.
Es gibt speziell an der Schule SD4 viele Kinder, die nicht genügend zu essen haben, und es ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, mit hungrigem Magen gute Lernerfolge zu erzielen. Daher ist es einer unserer Pläne, eben eine Küche einzurichten, in der diese Kinder zumindest einmal am Tag eine warme, gute Mahlzeit erhalten.
An dieser Stelle möchte ich mich bei der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Neuried herzlichst bedanken, die das gesamte Geld, das anlässlich des Christkindlmarkts gesammelt wurde, diesem Projekt haben zugute kommen lassen! Auch die Grundschule in Neuried hat mit Schülern und Schulleiterin wieder kräftig mitgeholfen, und all dies ist nicht zuletzt der Verdienst von Doris, die sich wieder enorm für uns eingesetzt hat! Grosser Dank auch an Ute, die als Grundschullehrerin immer hilft, wo sie kann, wenn es um die Unterstützung armer Kinder geht.
Ein Wort noch zu den Patenschaften: Ich bin sehr froh, dass wir mittlerweile elf Paare/Familien gefunden haben, die ein Kind unterstützen! Wie Ihr dem Bericht von Christiane entnehmen konntet, gibt es noch etliche weitere Kinder, die einer solchen Förderung bedürften. Es geht mir aber darum, allen Interessierten klar zu machen, dass es sich dabei um ein längerfristiges Engagement handelt, sodass die entsprechenden Kinder am besten während ihrer gesamten Schulzeit unterstützt werden.
Der Ablauf sieht so aus, dass die Sponsoren anfangs einen Bericht über das Kind, seine Familie und die Lebensumstände erhalten. Alle sechs Monate folgt zusammen mit dem Schulzeugnis ein Bericht über die Entwicklung des Kindes. Alle bisherigen Paten waren bereits hier in Pemuteran beziehungsweise planen ihren Besuch für dieses Jahr. Das ist natürlich die beste Voraussetzung, um sich selbst ein Bild zu machen und sowohl mit dem Kind als auch mit mir einen Kontakt aufzubauen.
Wer nicht hierher kommen kann, dessen Hilfe ist natürlich ebenfalls willkommen! Mir ist wie gesagt einfach wichtig, dass mit “unseren” Kindern immer verantwortungsvoll umgegangen wird.
Wir können nicht seelische Traumata heilen, wie sie zum Beispiel sicher bei dem kleinen Waisenjungen mit der nun auch noch verstorbenen Grossmutter vorhanden sind; aber wir können dabei helfen, den Kindern die Chance auf eine Zukunft zu geben.
Danke an Euch alle, die Ihr geholfen habt und dies noch tut, für Euer Engagement und Mitgefühl!
Viele Grüsse aus Pemuteran, das diesmal eine recht heftige Regenzeit erlebt!
Ines